Landarztfans - Interview mit Wayne Carpendale


Anna – Virginia:

Herr Carpendale, was würden Sie sich gerne mal für ihre Rolle wünschen?

Wayne Carpendale:

Ich kann beim Landarzt relativ viel mitgestalten, mit den Wünschen hält es sich also in Grenzen. Wir tauschen uns immer wieder sehr intensiv über die Rolle Jan Bergmann aus und natürlich auch über die Geschichten. Das Format wird ständig an allen Ecken weiterentwickelt, was man in den neuen Folgen wieder sehen wird. Allein schon der Look ist ganz anders, weil wir auf HD umgestellt haben – „Der Landarzt“ also in modernster, gestochen scharfer Bildqualität. Außerdem hat sich die Bildsprache verändert und die Geschichten erzählen wir jetzt pointierter. Aber auch Jan hat sich weiterentwickelt. Er ist jetzt richtig in Deekelsen angekommen, baut zusammen mit Maren ein Zuhause auf, ist der Arzt, dem die Dorfbewohner vertrauen und hat seinen festen Platz und seine eigene Meinung am Stammtisch. Das mit der ‚eigenen Meinung’ ist besonders wichtig, denn einige von den facettenreichen deekelsener Persönlichkeiten sind doch ziemlich stur. Jan hat inzwischen gelernt, wie er damit umgeht.

 Anna – Virginia:

Was bewegte Sie dazu, vor 5 Jahren, die Rolle des Dr. Jan Bergmann anzunehmen?

Wayne Carpendale:

„Der Landarzt“ war schon damals eine der am längsten laufenden deutschen Serien, fast schon Kult. Für so einen Serienriesen die Hauptrolle angeboten zu bekommen ist schon ne fette Herausforderung und ich mag Herausforderungen. Aber dennoch habe ich mir mit der Entscheidung Zeit gelassen. Ich wusste, dass ich mich Vergleichen aussetzen würde. Dass „Der Landarzt“ ohne mich funktioniert, war ja klar. Dass er mit mir so gut funktionieren würde, musste ich erst noch beweisen.

 

Anna – Virginia:

Könnten Sie sich auch vorstellen noch in 20 Jahren Dr. Jan Bergmann zu spielen?

Wayne Carpendale:

Mittlerweile bin ich der zweitdienstälteste „Landarzt“ – das is doch schon mal was. Nein, im Ernst, die Frage wird mir seit meinem ersten Drehtag immer wieder gestellt, aber ich habe mich bis heute nicht auf irgendeine Zeitangabe eingelassen. Ich bin nicht hier, um Rekorde zu brechen. Solange ich sehe, dass sich dieses Format weiterentwickelt und ich mich hier weiterentwickeln kann, bin ich dabei. Darum geht es mir.

 

Anna – Virginia:

Welches ist Ihre bisherige eindrucksvollste, beste oder gar schönste Erinnerung an die Dreharbeiten?

Wayne Carpendale:

Die eindrucksvollste Erinnerung ist tatsächlich diese Mischung aus Farben, die hier an sonnigen Tagen durch Raps, Gräser, Ostsee und blauen Himmel aufeinandertreffen. An so einem Tag durch ein knallgelbes Rapsfeld oder am Strand entlang zu reiten, ist Freiheit pur.

An der Arbeit reizen mich immer wieder die hochkarätigen Schauspieler, die in den Episodenrollen dabei sind. Nicht falsch verstehen: Unser festes Ensemble ist der Hammer, aber als feste Rolle triffst Du dann immer wieder auf die Schauspieler, die nur ein paar Drehtage hier sind, die ihre ganze Energie auf die paar Tage konzentrieren und alles geben. Da musst Du immer in Topform sein.

Einer der schönsten Drehtage war übrigens der mit Ingo Naujoks und meiner Verlobten Annemarie. Diese Szenen werden in der zweiten Folge der neuen Staffel ausgestrahlt – Ende September ist es also soweit.

 

Anna – Virginia:

Was war das schlimmste Ereignis?

Wayne Carpendale:

Aus professioneller Sicht, der Abbruch eines Drehtages, weil ich eine Stimmbandentzündung hatte. In meiner dreizehnjährigen Karriere bisher mein einziger Krankentag. Das war aber weniger schlimm, es hat mich bloß geärgert.

Emotional wirklich schlimm war der Moment, als wir am Set erfuhren, dass Heinz Reincke von uns gegangen ist. Wir haben nicht viele Szenen miteinander gedreht, aber er hat mit seiner Rolle und seiner Präsenz diese Serie geprägt und ihr ein Gesicht gegeben.

 

Anna – Virginia:

Wie ist denn Ihre Beziehung zu der kleinen Lotta?

 Wayne Carpendale:

Super! Wenn sie schreit, ruf ich die Mama... Nein, das ist schon sehr aufregend, so ein zuckersüßes Mädchen aufwachsen zu sehen. Und mittlerweile hab ich auch raus, wie ich sie zum Lachen bringe. Sie steht auf Schimpansengeräusche, aber bloß nicht weitersagen. Das ist manchmal etwas merkwürdig, wenn ich bis kurz vor dem „Und bitte!“ vom Regisseur schreie wie ein Affe, aber da hilft mir meine Erfahrung von „Unser Charly“.

Davon mal abgesehen ist es immer wieder eine spannende Erfahrung mit Babys zu drehen. Wie mit Tieren weißt Du halt nie was kommt, musst spontan bleiben und reagieren, wenn was anders läuft als geplant. Aber gerade das macht diese Arbeit aus.

 

Anna – Virginia:

Jetzt gab es noch ein paar Fragen, die sich nicht auf den „Landarzt“ beziehen.

Würden Sie gerne mal einen Kinofilm drehen?

Wayne Carpendale:

Natürlich wäre das auch mal spannend, aber je länger man dabei ist, desto unwichtiger wird einem das Format. Es geht einem mehr und mehr um die Rolle. Ich würde zum Beispiel lieber eine richtig gut geschriebene Rolle in einer Soap oder Telenovela spielen, als etwa in einem Kinofilm, einen Charakter ohne Entwicklung. Allerdings muss man dazu auch sagen, dass die Rollen in einem hochwertiger produzierten Format tendenziell auch besser geschrieben sind, weil die Autoren solcher Drehbücher die Möglichkeit haben, noch mehr in die Tiefe zu gehen.

 

Anna – Virginia:

Wo Sie gerade das Stichwort „Daily“ gebracht haben. Könnten Sie sich vorstellen am

Fürstenhof mal wieder als Marc Kohlweyer vorbei zuschauen, der ja immer noch auf

Weltreise ist?

Wayne Carpendale:

Die Rolle habe ich zum Beispiel sehr, sehr gern gespielt. Wichtig wäre mir dabei, dass Marc wieder so aufbrausend und jähzornig wie am Anfang wäre – das ging mit der Zeit leider ein bisschen verloren, weil bei den Dailys sehr stark zwischen Gut und Böse unterschieden wird. Im wahren Leben hat man aber meistens beide Seiten in sich und das macht Spaß zu spielen. Beim „Sturm“ hab ich mich immer sehr wohl gefühlt, deswegen bin ich ja auch drei Mal dort gewesen. Wenn sich also wieder diese Chance ergibt, bin ich sehr offen.

 

Anna – Virginia:

Könnten Sie sich vorstellen auch mal wieder einen Sonntagsfilm al la „Rosamunde

Pilcher“ oder „Inga Lindström“ zu drehen?

Wayne Carpendale:

Warum nicht? Aber auch da kommt es auf die Rolle an. Gerade seitdem ich den Landarzt spiele, werden mir auch in den Sonntagsfilmen nicht mehr nur die klassischen Liebhaber angeboten, sondern Charaktere, bei denen ich auch richtig in andere Farben steigen kann. Der Liebhaber macht auch immer wieder Spaß, aber gerne habe ich auch im „Traumschiff“ den Matrosen auf der Flucht, in „In aller Freundschaft“ den ruhmgeilen Musikmanager und im Traumhotel den Nerd gespielt.

 

Anna – Virginia:

Sie sind ja nun schon viel auf der Welt herum gekommen und haben sehr viel gesehen. Welches Ereignis würden Sie gerne noch einmal erleben?

Wayne Carpendale:

Puh....Heiratsantrag in New York wäre ja ne ziemlich blöde Antwort, denn den will ich ja nur ein Mal im Leben machen (lacht). Ich glaube die schönste Reise war wirklich die Rundreise durch Australien, gemeinsam mit meiner Verlobten vor zwei Jahren und dann natürlich auch das Trecking alleine durchs Himalayagebirge. Das habe ich zu meinem 30. Geburtstag gemacht, bin ganz allein durch diese unglaublich gewaltige und eindrucksvolle Szenerie bis hin zum Mount Everest. Da hat es mir jeden Tag aufs Neue den Atem verschlagen.

 

Anna – Virginia:

Seit Anfang diesen Jahres sind Sie ja nun sehr aktiv bei Facebook. Was hat Sie dazu

bewegt?

 Wayne Carpendale:

Ich habe schon lange einen privaten Account, hatte aber eigentlich nie das Verlangen, da irgendwas drauf zu posten. So aber, über die offizielle Seite, macht das richtig Spaß, weil man im ständigen Kontakt, auch mit vielen Landarzt-Fans, sein kann. Natürlich muss man aufpassen, wie viel Privates man teilt, aber ich glaube, dass wir (Anne und ich) da ne ganz gute Dosierung gefunden haben, die es den Fans ermöglicht  an unserem Leben teilzuhaben, aber dennoch nicht unser Privatleben einschränkt oder preisgibt. Ich finde es bloß sehr schade, dass durch die Timeline der Austausch weniger geworden ist, weil meine Posts groß abgebildet sind und die Posts der Anderen ganz klein in einem Kasten auf der Seite. Aber so ist das nunmal bei facebook, Mark Zuckerberg gibt vor wie es läuft.

 

Anna – Virginia:

Was meinen Sie, warum ist „netzwerken“ für Schauspieler so wichtig?

 Wayne Carpendale:

Wichtig ist da ein viel zu großes Wort. Man muss unterscheiden zwischen netzwerken mit Fans und netzwerken innerhalb der Branche. Wenn es um den Austausch mit den Fans und den Zuschauern geht, ist facebook ein super Tool, um eine andere, vielleicht viel persönlichere, Seite von Dir zu zeigen. Es kann auch sehr inspirierend sein, was die Fans über Deine Rollen und die Geschichten schreiben. Wichtig dabei ist, dass Du dir, bei allem Einfluss, eine eigene Meinung bildest. Was das Netzwerken innerhalb der Branche angeht, so gibt es die Schauspieler, die mit allen Produzenten und Regisseuren gut befreundet sind und trotzdem keine Jobs kriegen. Und es gibt auch die Schauspieler, die sich privat überhaupt nicht in Medienkreisen aufhalten und dennoch einen Film nach dem anderen drehen. Mir macht der Austausch mit Kollegen Spaß, deswegen netzwerke ich auch gern. Aber wenn man auf meine Geburtstagsparty kommt, trifft man nicht auf viele Menschen, die in der Filmbranche arbeiten.

 

Anna – Virginia:

Und als Abschlussfrage. Was war Ihr bisheriger Höhepunkt der Karriere?

 Wayne Carpendale:

Da ist das Schöne an meiner Karriere, fast jedes Jahr gab es einen neuen Höhepunkt, den ich aus heutiger Sicht nicht mehr missen möchte. Ich hab aus dem Studium heraus mit dem Schauspielern angefangen, bekam die Rolle bei „Unter Uns“, spielte kurz darauf in meinem ersten 90-Minüter eine Hauptrolle. An die tollen Auftritte als Old Surehand bei den Karl-May-Spielen in Bad Segeberg, unter freiem Himmel vor bis zu 20.000 Zuschauern am Tag, denke ich oft zurück. Der Sieg bei „Let’s Dance“ war ein weiterer emotionaler Höhepunkt und dann auch die Moderation von „Dancing on Ice“, die ich unglaublich gerne gemacht habe. „Der Landarzt“ ist ohne Frage meine bisher größte Rolle, die meine Karriere nachhaltig beeinflussen wird. Aber die wertvollste Drehzeit meines Lebens hatte ich sicherlich mit meinem Vater, mit dem ich letztes Jahr einen Film gedreht habe. Ein Erlebnis, dass ich bestimmt nie vergessen werde. 

 

VIELEN DANK FÜR DAS TOLLE INTERVIEW!

 


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